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Alles Wetzen hat ein Ende… und dann muss gedengelt werden! Damit herzlich Willkommen zum Entzauberungsartikel des Dengel-Mythos!

Ich habe euch versprochen, dass jeder und jede dengeln kann! Das Versprechen werde ich jetzt einlösen.

Doch machen wir der Vollständigkeit halber erst noch einen Schritt zurück und schauen uns an, worin eigentlich die Schwierigkeit beim Dengeln besteht.

Klassisches Dengeln

Dengeln ist im Prinzip das Kaltschmieden von Stahl oder anders gesagt, wir hauen den Stahl mit dem Hammer platt. Hört sich einfach an, aber das ist es gar nicht.
Das Sensenblatt wird so auf einen Amboss gelegt und gehalten, dass man mit einem schmalen Dengelhammer einerseits genau die 3-5 Millimeter des Dangels trifft, andererseits sollen der Blattkörper und der Dangel auch noch eine Flucht ergeben. Die Schneide soll ja nicht noch unten oder oben wegknicken. Das für einen Schlag hinzubekommen ist gut machbar. Allerdings muss das über die gesamte Schneidenlänge gemacht werden und auch mehrfach. Aber wiederum auch nicht zu oft auf der gleichen Stelle, sonst könnte das Blatt reißen. Die Schläge müssen auch so angesetzt werden, dass man mit dem einen Durchgang ein bisschen Stahl aus dem Blatt treibt und mit dem zweiten Durchgang genau diesen Teil platt haut.

Andersherum funktioniert es auch: Die Schneide wird auf einem ganz schmalen Amboss aufgelegt und mit der flachen Seite eines Schlosserhammers behämmert.

Ihr merkt, viele Kriterien, die im Bruchteil einer Sekunde stimmen müssen, um im Moment der Erfüllung schon wieder den nächsten Sekundenbruchteil zu beginnen.

Hut ab, wer das beherrscht!

ganz klassisch: flacher Amboss und spitzer Dengelhammer

Klassisch Dengeln: mit Amboss und Dengelhammer

Dengeln seit 150 Jahren - dieser moderne Kram!

Seit etwa 150 Jahren gibt es auch noch das Dengeln mit dem Schlagdengelapparat. Um genau den soll es hier auch gehen. Der lässt uns alle dengeln!

Der Schlagdengler funktioniert eigentlich nach dem gleichen Prinzip wie Hammer und Amboss, nur mit Stützrädern:
Der Amboss ist flach mit einem Zylinder in der Mitte, dieser hält unsere Schneide auf Position. Dann gibt es zwei Hülsen, die genau auf den Zylinder passen:
– mit einem Ring: der auf der Schneide aufliegende Teil ist so geformt, dass er den Stahl aus der Klinge treibt
– mit zwei Ringen: der auf der Schneide aufliegende Teil ist so geformt, dass er den Stahl flach haut.

Dengeln mit der ersten Hülse des Schalgdengelapparats

Los gehts: Schneide an den Zylinder legen, Hülse drauf und losgedengelt!

Also: Wir legen die Schneide mit der Bartspitze an den Zylinder, setzen die Hülse mit einem Ring auf den Zylinder, so dass die untere Kante auf der Schneide aufliegt und hauen nun beherzt mit einem Hammer auf die Hülse. Jetzt schieben wir das Blatt ein Stück weiter und hauen wieder zu. So bearbeiten wir die gesamte Länge bis zur Spitze.

Danach wiederholen wir das Ganze mit der doppelberingten Hülse und dengeln den Stahl flach.

Natürlich gibt es auch hierbei zu berücksichtigen: Man muss so stark hämmern, dass sich der Stahl auch verformt, man darf aber nicht zu lange auf einer Stelle verweilen, sonst läuft man auch bei dieser Methode Gefahr, dass der Stahl reisst.

Moderner Kram: Erst seit 150 Jahren nutzt man auch den Schlagdengelapparat

Moderner Kram: Erst seit 150 Jahren nutzt man auch den Schlagdengelapparat. Gut zu erkennen: Die Ringe an den Hülsen

Die Schneide sieht vor dem Dengeln stumpf und man kann den Dangel nicht mehr erkennen
Nach dem ersten Durchgang kann man schon wieder den Dangel erkennen

Vor dem Dengeln hebt sich an dem alten Blatt die Schneide optisch nicht mehr vom Rest des Blattes ab.

Nach dem ersten Durchgang erkennt man bereits wieder den Bereich der Schneide.

Tipps & Tricks

Erstes Gebot: Anders als beim Wetzen, wird nur von einer Seite gedengelt! Und zwar die Seite des Blattes, die uns beim Mähen auch anschaut.

Den Amboss habe ich mir auf einen Holzklotz gesetzt. Dazu habe ich mir ein kleines Loch vorgebohrt und die Spitze des Amboss reingedrückt. Den Rest erledigt das Schlagen beim Dengeln.

Du wirst schnell merken, dass das Blatt der Sense beim Bearbeiten irgendwo abgelegt werden will. Ich suche mir so eine Position, dass das Blatt links und rechts vom Amboss auf meinen Oberschenkeln liegt.

Für den Gebrauch des Schlagdengelapparats wird ein Schlosserhammer empfohlen. Ich empfehle einen 1000g-Fäustel. Den kann man eher fallen lassen, als das man zuschlagen muss. Ich finde das angenehmer.

Die Hülsen, bzw. der Zylinder vertragen auch immer einen kleinen Tropfen Ballistolöl.

Nach dem Dengeln das Wetzen nicht vergessen!

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