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Das Mähen mit der Sense ist nicht schwer. Vorausgesetzt, wir haben nicht den Anspruch eines Profis und auch nicht den Anspruch des Mähbilds eines Rasenmähers. Denn das werden wir „Hobbysenser“ zumindest am Anfang nicht erreichen. Es gibt aber eine Möglichkeit, nach dem Sensen noch etwas zu tricksen, wenn man mag. Oder für den sensiblen Nachbarn, den ein einzeln stehender Halm gruselt.

Neben dem eigentlichen Mähen mit der Sense ist der Zeitpunkt entscheidend und derer gibt es zwei: Einmal den Tag im Kalender und die Uhrzeit am Mähtag selbst.

Nach dem Mähen haben wir die Mahd vor uns liegen, was kann man damit machen? Ich zeige euch, wie ihr tolles Heu hinbekommt oder wie ihr eure Mahd anderweitig verwenden könnt.

Der richtige Zeitpunkt und der richtige Zeitpunkt

Wie in der Einleitung schon geschrieben, gibt es, wie bei jedem guten Termin, auch für das Mähen zwei wichtige Parameter: Den Tag und die Uhrzeit. Ich setze voraus, dass der Treffpunkt bekannt ist 😉

Der Tag ist nach dem Kalender oder mit dem Auge zu treffen: Für die erste Mahd entweder zwischen Mitte Juli und Ende August, oder wenn wenn die größte Blüte durch ist und die Samenstände ausgereift sind.

Die zweite Mahd schließt sich dann Ende September, Anfang Oktober an.

Sollte das Gras dann nochmals hochwachsen, kann auch eine dritte Mahd erfolgen, zum Abmagern von Flächen ist das sogar empfehlenswert.

Apropos Abmagern: Für eine artenreiche Wildkräuterwiese ist es immer sinnvoll die Mahd – und damit die Nährstoffe – zu entfernen. Aber wohin mit dem ganzen Heu? Das kannst du weiter unten nachlesen. 

Die Uhrzeit am Mähtag selbst: Erinnern wir uns an die alten Zeiten, als wir mit dem Rasenmäher losgingen. Wir haben möglichst erst dann gemäht, wenn der Rasen trocken war. Denn wie ärgerlich war es, wenn das nasse Gras den Rasenmäher oder den Weg zum Auffangsack verstopfte. Also mähten wir am späten Vormittag oder ab Nachmittag nach der Mittagsruhe. Es ging doch nichts über das Sonnencreme-Rasenfetzen-Benzingeruch-Gemisch.

Mit der Sense können wir genau andersherum denken: Morgens, wenn das Gras feucht ist, ist die beste Zeit zum Mähen! Das Gras ist knackig, das Blatt hat zum Schneiden einen gewissen Widerstand. Das feuchte Gras um Füße und Beine am noch kühlen Morgen lässt die 28 Grad später am Tag noch fern wirken und auch der Geruch ist angenehm frisch. Sonnenschutz ist natürlich auch morgens schon sinnvoll.

Romatik vs. Realität

Moment mal! In meiner romantisierten Vorstellung des Sensenmähens stand der ältere Herr doch schwitzend an einem Sommertag auf dem Feld und wetzte die Sense! Dazu zwei Gedanken:

Ja, der ältere Herr auf der Alm hatte auch andere, größere Flächen zu mähen und war womöglich den ganzen Tag oder zumindest Vormittag beschäftigt.
Ergo können wir natürlich auch später am Tag mit der Sense mähen, manches Gras ist dann nur schon etwas widerborstig. Einfach probieren!

Das große Mähen!

Nun ist es also soweit: Wir schwingen die Sense!

Ich gehe davon aus, dass die Sense gedengelt, richtig eingestellt und gewetzt ist. Trotzdem haben wir natürlich unseren Wetzstein in Wasser am Rand der Mähfläche stehen.

Da das Beschreiben das eine ist und das Sehen das andere, werde ich auch nochmal ein Video einbinden, in dem man gut nachvollziehen kann, wie man mäht und welche Fehler man machen, bzw. vermeiden kann. 

5 Schritte des Mähens

Ich gehe von rechtshändig Mähenden aus, linkshändige übersetzen sich das folgende bitte entsprechend.

1. Wir beginnen mit dem Mähen links auf der Fläche und stehen etwa einen Schritt vor der zu mähenden Fläche. Dazu stellen wir uns etwa schulterbreit hin und halten die Sense vor uns dicht am Körper. Die linke Hand hält den hinteren, die rechte Hand den vorderen Griff. Das Sensenblatt liegt jetzt also rechts von uns auf dem Boden und die Spitze zeigt Richtung der zu schneidenden Fläche.

2. Nun bewegen wir die Sense nach vorne und zwar so, als wäre unser Körper der Mittelpunkt eines Kreises. Wir beschreiben mit der Sense einen Halbkreis. Das Sensenblatt hebt dabei nicht vom Boden ab! Da wir einen Schritt von der Mähfläche entfernt stehen, sollten wir nun noch gar nichts oder nur sehr wenig geschnitten haben. Grundsätzlich sind Trockenübungen auf bereits kurzem Gras auch zu empfehlen.

3. Wir drehen uns wieder zurück in die Ausgangsstellung und machen einen Tippelschritt nach vorne, vielleicht 10 Zentimeter. Nun wiederholen wir die Bewegung. Es sollte jetzt etwas mehr Gras mitgenommen worden sein und – wenn wir den Halbkreis auch wieder komplett beschrieben haben – an der gleichen Stelle liegen wie beim Schnitt davor.

4. Eigentlich ist das die ganze Kunst, denn so geht es immer weiter. Bei einer gut laufenden Sense und passendem Gelände verfällt man vielleicht in eine Art Wiegeschritt nach vorne, dann ist man eigentlich auf dem besten Weg zum guten Mäher.

5. Die Schneidbewegung sollte flüssig sein, wir sollten nicht ins Hacken oder Nachschneiden kommen, dann stimmt etwas nicht, außer wir haben mal ein widerspenstiges Pflänzchen vor uns. Im Idealfall stehen wir also auf einer gedachten Querlinie und zeichnen mit der Sense von der rechten Seite der Linie einen Halbkreis, bis wir auf der linken Seite wieder auf die Linie treffen. Dort sollte sich auch das Mähgut sammeln und durch unsere langsame Vorwärtsbewegung einen Schwad bilden.

Beim Sensen ist es wie beim Crêpes-Backen: Die ersten Versuche werden nix. Ich muss auch immer erst reinkommen.

Bilder dazu seht ihr unten unter „Arbeitsschritte und Ergebnisse“, außerdem könnt ihr hier ein kleines Video vom Mähen der gleichen Fläche sehen.

Um die Ecke schneiden

Ich habe schon mehrfach geschrieben und auch die Sense damit beworben, dass man mit ihr nicht nur Flächen mähen kann, sondern sie durch aus auch zum „Ausputzen“ nutzen kann: Also z.B. um wilde Ecken von Giersch, Brennnesseln oder Disteln zu befreien (ob das im Einzelfall sinnvoll ist, soll bitte jeder für sich bewerten). Oder um Hochbeete, Gewächshäuser, an Trockenmauern und und und. Ich meine also alles, was keine Fläche ist und wo wir früher vielleicht einen Rasentrimmer, Freischneider oder die Motorsense benutzt haben.
Ich setze dazu die Spitze des Sensenblattes direkt rechts an den ersten zu mähenden Stengeln an und ziehe dann langsam die Sense durch. Dafür ist es wichtig vorher zu schauen, was sich links von der Sense befindet! Wir wollen nicht gegen Steine hauen oder eine Staude köpfen, die eigentlich bleiben sollte.

Wetzen nicht vergessen!

Irgendwann merkt man, dass die Sense nicht mehr so schön schneidet sondern beginnt, etwas an den Halmen zu reißen. Dann ist es Zeit zu wetzen! Das kann je nach Mähgut und Blatt ganz unterschiedlich sein, aber auf 100 Quadratmetern mit einfachem Gras würde ich sicherlich schon zwei- bis dreimal wetzen. Für den richtigen Zeitpunkt bekommst du ein Gefühl!

Arbeitsschritte und Ergebnisse

Links sieht man mit dem Rasenmäher gemähten Rasen, rechts die zu mähende hohe Wiese
Wild umher liegendes Gras nach dem Sensen
Zusammen gerechte Schwaden

Vor dem Mähen erkennt man klar den Unterschied zwischen konventionell gemähter Fläche und dem zu sensenden Bereich.

Nach dem Sensen sieht die Fläche erstmal wild aus. So kann es aber schnell antrocknen.

In Schwaden gerecht kann das Gras über Nacht nur oberflächlich feucht werden.

ein übersehener Büschel Gras
Der Übergang zur konventionell gemähten Fläche ist kaum mehr zu sehen
Nach dem Spindelmäher ist es ein sauberes Ergebnis

Erwischt: Auch ich erwische nicht immer alles und nach dem Rechen finde ich diverse Büschel zum Nachsensen.

Nach dem kompletten Entfernen der Mahd erkennt man kaum noch den Übergang.

Einmal mit dem Spindelmäher drübergefahren sieht die Fläche ordenltich aus. Da kann kein Nachbar meckern.

Was ist mit der Mahd nach der Mahd?

Bei Mähen mit der Sense fällt mehr Schnittgut an als beim Mähen mit dem Rasenmäher oder gar dem Mähroboter.

Aber wohin mit all dem Grünzeug?
Klar, eine Möglichkeit ist die Grünmülldeponie, das fände ich allerdings schade ums Material.

Markus Gastl vom Hortus Netzwerk empfiehlt „Mulchwürste“: Man nimmt einen Packen Gras und verzwirbelt es längst ineinander, so das eine etwa 10 Zentimeter dicke Mulchwurst entsteht. Diese Päckchen kann man z.B. in seinen Gemüsebeeten um die Pflanzen legen. Darunter sammeln sich Schnecken, die man durch hochheben des Grasbündels absammeln kann.

Wer sich auskennt, kann zusammen mit grobem Material auch eine Heißrotte aufsetzen. Das Erklären einer Heißrotte würde hier aber den Rahmen sprengen.

Man kann auch prima eigenes Heu machen, z.B. wenn man selbst Kleintiere wie Kaninchen hat oder jemanden kennt der entsprechend Heu gebrauchen kann. Dazu sollte man sich nur sicher sein, dass z.B. kein Jakobs-Greiskraut auf der gemähten Wiese wuchs, da diese leberschädigend für die fressenden Tiere ist.
Aber wie macht man eigentlich Heu? Dazu kommt unser Holzrechen zum Einsatz: Tagsüber breitet man das Heu aus, so dass die Sonne es gut trocknen kann. Abends zieht man es mit dem Rechen zu runden Haufen oder Schwaden (also einem langen Haufen) zusammen. Das hat den Vorteil, dass die Feuchtigkeit, die sich in den Morgenstunden bildet, sich nur auf der Oberfläche des Grasschnitts absetzt, aber nicht im Inneren des Haufens. Am Vormittag ziehen wir das Gras mit dem Rechen wieder auseinander und es kann weitertrocknen. Das Heu ist fertig, wenn sich die Halme knackig anfühlen und einen süßlichen, aber frischen Duft verströmen. Riecht es muffig oder säuerlich, dann ist das Gras noch feucht.
Das bedingt aber eine gewisse Vorausschau, denn wir brauchen also nicht nur den Tag zum Mähen, sondern es müssen sich auch mindestens drei, besser fünf schöne Tage aneinandereihen, denn solange benötigt das Heu zum Durchtrocknen.

Ein zusammengeharkter Schwad

Zusammengerechter Schwad

Mähen mit der Sense - das ist die ganze Kunst

Wenn ich jetzt wieder hochscrolle, merke ich, dass das wovor man soviel Respekt hat, nämlich das Mähen an sich, gar nicht so viel Platz einnimmt. Es ist eben keine Raketenwissenschaft, sondern nur ein bisschen Gefühl und Übung. Also: Ran an die Sense und probieren!

Trickserei!

Gerade am Anfang werdet ihr nach dem Sensen feststellen: Ups, das steht ja noch ein Büschel. Da auch. Und da. Oder die ganze Fläche sieht vielleicht aus wie der Bodensee bei Sturm. Halb so wild!

Wenn noch Büschel stehen: Wartet einen Tag, dann haben sich alle Halme, die sich noch aufrichten können, auch aufgerichtet und ihr könnt nachsensen.

Bodensee-Effekt: Wenn euch das wirklich stört könnt ihr überlegen, ob ihr euch einen Spindelmäher zulegt. Das sind Handrasenmäher mit einer messerbesetzen Spindel quer zur Fahrtrichtung. Sie werden geschoben und mähen auch relativ schonend. An den meisten Spindelmähern kann man in der Schnitthöhe einstellen. Wenn man damit über die Fläche geht, kann man das Schnittbild nochmal verbessern. Ich benutze den Spindelmäher auch heute noch, z.B. für meine Rasenwege im Garten. Spindelmäher gibt es ab ca. 80 Euro (oder natürlich auch auf dem Flohmarkt u.ä.)

Front eines Spindelmähers

Mit einem Spindelmäher kann man tricksen und bei unbefriedigendem Mähergebnis ausgleichen. Ein Spindelmäher ist auch schonender als ein Sichelmäher, dank langsamerer Rotation.

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