In diesem Artikel erkläre ich dir, wie ich ein Magerbeet angelegt habe. Falls du dich wunderst, dass das Beet aussieht wie ein Schotterbeet: Du irrst dich nicht, es ist Schotter. Trotzdem ist – oder wird – dieses Beet das genaue Gegenteil eines Schottergartens. Wenn du wissen möchtest, wie ich dieses Beet ohne buddeln angelegt habe und welche Pflanzen dort Einzug gehalten haben, dann lies weiter.
Warum überhaupt ein Magerbeet?
Das ist relativ einfach erklärt: Eine Säule der Biodiversität begründet sich auf der Vielfalt der Arten. Wir wissen außerdem, dass viele Tiere, z.B. Insekten, von vielen verschiedenen Pflanzenarten abhängig sind. Nun sind aber so ganz grob 70% aller heimischen Blütenpflanzen an einen nährstoffarmen Boden gewöhnt. Das unsere Böden überdüngt, also nährstoffreich sind, ist auch nichts Neues. Es mangelt also an mageren Flächen, ein Grund, warum wir in unserer Umgebung oft die immergleichen Pflanzen sehen.
Ein Magerbeet anzulegen, bedeutet also Pflanzen eine Chance zu geben, die in unserem „normalen“ Gartenboden auf Dauer verdrängt würden.
Aber Schotter? Wird das kein "Garten des Grauens"?
Nein. Denn wie so oft im Leben, heißt es auch hier: es gibt nicht nur schwarz und weiß. Ja, der moderne Schottergarten ist der Tod für alles was lebt: Der einzelne Stein ist oft mehrere Zentimeter dick und liegt auf einem undurchlässigen Unkrautvlies. Alle Steine haben nahezu die gleiche Größe. Das alles heizt sich auf, dazwischen kann erstmal keine Pflanze Fuß fassen, alles bleibt steril.
Ich benutze Kalkschotter 0-16mm. Das bedeutet, dass der Schotter in sich geschlossen ist. Die Nullanteile und die etwas größeren verschließen Hohlräume, Pflanzen können wurzeln, finden Halt. Wasser versickert, aber langsam. Die größeren Steinchen sorgen dafür, dass die Vegetation luftig bleibt.
Der Schotter wird zum Substrat.
Nach oben oder nach unten?
Ich habe lange überlegt bevor ich losgelegt habe, denn eines widerstrebte mir: Den Boden 30 Zentimeter tief abtragen, denn der Gartenboden musste ja ausgetauscht werden, nährstoffreich gegen nährstoffarm. Ich wollte auch kein Beet von zwei Quadratmetern, denn dann hätte ich den Spaten genommen und dann gib ihm. Ich wollte natürlich größeres: 10 Quadratmeter minimum! Aber wie? Und wohin mit dem Aushub?
Irgendwann kam mir dann die Erleuchtung: Ich wollte sowieso auch eine Trockenmauer haben, wieso nicht eine Trockenmauer in Form eines geschlossenen Ringes? Dann hätte ich eine Einfassung und würde das Magerbeet einfach auf den Gartenboden setzen, ein Hochmagerbeet quasi. Hätte ich ein bisschen im Internet geschaut, hätte ich auch schnell gemerkt, dass meine Idee nicht neu war.
Warum den Boden ausheben, wenn man auch nach oben arbeiten kann? Eine Mauer bildet einen Ring, dieser nimmt den Schotter auf. Die Bretter rechts halten gerade nur die Vegetation vom Steinwall zurück. Hier muss ich noch etwas mit Steinen nacharbeiten. Durch die Kamra scheint es, als ob die Mauer vorne links in Richtung des Betrachters kippt, tut sie aber nicht.
Standort, Materialien, Werkzeuge, Kosten
Der vollsonnige Standort war schnell gefunden: Da ich vor einiger Zeit mal den Steinwall angelegt hatte, hatte ich schon die erste Seite fertig. Da der Wall aber eine Gerade bildet, wurde es mit dem Ring schwer, weshalb es nun aus der Vogelperspektive eher ein „D“ ist und der Bauch des „D“ noch eine Ausstülpung bekommen hat. So sieht das ganze noch etwas organischer aus. Für das Mäuerchen von 30 Zentimeter Höhe habe ich die gleichen Steine wie des Walls benutzt, die hatte ich noch da und natürlich fügen sie sich am besten ins Gesamtbild.
Die Steine kosteten mich also nichts. Ich begann das Mäuerchen am einen Ende des Walls zu legen, kam zur ersten Kurve und auch allgemein gut voran. Also wollte ich schon mal den Schotter bestellen? Aber wo? Wieviel? Kostet Schotter eigentlich viel Schotter?
Ich rechnete also das ungefähre Volumen des Innenraums meiner Mauer aus, schlug noch etwas drauf und bestellte dann beim Fuhrunternehmen vier Kubikmeter 0-16er Kalkschotter. Das entspricht etwa 6,5 Tonnen. Diese kosteten inkl. Anlieferung etwa 300 Euro.
Neben einer Schubkarre habe ich noch ein Richtscheit, eine Wasserwaage und Kopfhörer benötigt.
Die ersten Schubkarren Schotter wurden platziert
Etwa die Hälfte des Schotters hat sich eingefunden
Passiert den besten Bauherren: Am Ende geht einem der Schotter aus.
Meditatives Schubkarre schubsen
Ich schichtete als die Steine zu einer etwa 30 Zentimeter hohen Mauer auf, formte damit auch das Beet. Etwa zwei Meter, bevor die Mauer das andere Ende des Walls erreichte hörte ich auf und suchte mir erstmal einen schönen Podcast. Da ich meinen eigenen ganz gut kenne (hier), entschied ich mich für ein anderes Interviewformat mit langen Folgen. Denn ab jetzt hieß es Schotter fahren.
Grundstückbedingt musste ich die 6,5 Tonnen Schotter mit der Schubkarre von der Einfahrt ca. 50 Meter in den Garten an den endgültigen Bestimmungsort fahren. Gegen Ende dachte ich schon, die Schubkarre kennt den Weg auswendig, dabei lief sie einfach nur in der Spur, die ich in den letzten Tagen mit der beladenen Karre gezeichnet hatte.
Aber irgendwann war es vollbracht: Die Mauer bildete den Abschluss zu meinem Magerbeet und der Schotter bildete dank Richtscheit und Wasserwaage eine nahezu ebene Fläche bis auf… ja bis auf die letzten zwei Meter der Mauer. Die Steine hatte ich gelegt und die Mauer wartete darauf, sich an den Schotter anlehnen zu können, allerdings reichte der Schotter nicht. Diese eine Extrakurve der Mauer vergrößerte natürlich auch die Fläche.
Gut, dachte ich, bestellst du bei Gelegenheit noch Schotter und bringst das Werk zu Ende. Dann kam der Regen, dann kam die Arbeit, dann kam der Winter, dann der Frühling, dann war der Fuhrunternehmer krank, dann explodierte schon die Vegetation, kurzum: Die Ecke wartet heute noch auf ihren Schotter.
links: Die Kuhschelle im Frühjahr 2026
rechts: Der Sandthymian zieht im Frühjahr 2026 ein
Initialbepflanzung
Aber egal, am anderen Ende konnte ich natürlich schon loslegen und bepflanzte die Fläche mit:
– Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris)
– Pechnelke (Viscaria vulgaris)
– Tripmadam (Sedum reflexum)
– Sandthymian (Thymus serpyllum)
– Dornige Hauhechel (Ononis spinosa)
– Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia)
Außerdem haben sich bereits der Natterkopf und die Wilde Möhre selbstständig dort ausgesät. Also obwohl wir hier von Schotter sprechen, kann man selbstverständlich auch etwas aussäen. Möchte man etwas einpflanzen, dann empfiehlt es sich, das Pflanzloch einfach mit der behandschuhten Hand auszuheben, denn mit einer Pflanzschaufel kommt man aufgrund der unterschiedlichen Steingrößen schlecht ins Substrat.
Natürlich kann man die Mauer auch von außen bepflanzen. Ich habe außerdem schon beobachten können, dass Tagpfauenaugen sich gerne auf dem Schotter aufhalten.
Neben der Initialbepflanzung haben es sich auch schon der Natternkopf und die Wilde Möhre gemütlich gemacht.
Wie geht´s weiter?
Naja, auf jeden Fall muss die letzte Ecke noch mit Schotter gefüllt werden und hier und da müssen noch ein paar Steine hin. Da ich mir aber nicht nur eine Badewanne voll Schotter liefern lassen kann oder möchte, plane ich weiter: Ich denke, ich werde auch Wege mit dem Schotter gestalten oder noch ein weiteres Magerhochbeet, so dass ich zwischen den beiden Beeten durchgehen kann. Denn noch etwas positives hat sich herausgestellt: Da ich gerne fotografiere, steht man außerhalb des Beetes nun auf einer idealen Höhe um zum Beispiel Natternkopf-Mauerbienen zu erwischen ohne Rückenschmerzen zu bekommen. Hochbeete sind eben rückenfreundicher, das kennen wir schon vom Gemüse.


