Fette Henne: Nicht einfach nur eine Anfänger-Pflanze

Fette Henne gesamte Pflanze

Die Fette Henne (Sedum) kennt fast jeder. Doch kaum jemand spricht noch über sie. Dabei ist die Spätblühende so etwas wie der Allrounder für den insektenfreundlichen Garten und den immer bewußter lebenden Gärtner. Warum ich jetzt auf mehr Fette Henne setze und wie ich Fette Henne vermehre, lest ihr hier.

Vorteile, Nachteile

Die Fette Henne, oder auch Sedum, ist in vielen unserer Gärten zu sehen und ist so etwas wie das Einsteigermodell in das Hobby der Gartlerei: Sie ist günstig, sie verzeiht Trockenheit, lässt sich leicht – sehr leicht – vermehren, kommt jedes Jahr zuverlässig wieder und ist zudem noch eine prima Bienenfutterpflanze im Herbst. Während ihrer Wachstums- und Blütezeit beschränkt sich die Arbeit mit der Pflanze auf das gießen.

Hat denn die Fette Henne keine Nachteile? Der einzige Nachteil, der mir einfällt ist auch einer der Vorteile: Sie ist ein Spätblüher, d.h. eben auch, dass sie bis zur Blüte Ende August, Anfang September eine eher unscheinbare, grün beblätterte Sukkulente darstellt und in mancher Augen deshalb als langweilig gilt. Ihr Auftritt ist eben nicht zur Prime-Time, dessen muss man sich bewusst sein.

Hühner leben auch nicht gerne alleine

Deshalb sollte man Fette Hennen auch nicht einzeln stehen lassen! Das ist nur meine Meinung, im Gegensatz zu lebenden Hühnern macht es den Pflanzen natürlich nichts aus ohne Artgenossen im Beet zu stehen. So stand sie bis jetzt bei mir auch. Doch dann habe ich im letzten Herbst auf Verkehrsinseln und in Parkanlagen ganze Flächen mit ihnen bepflanzt gesehen und bin auf den Geschmack gekommen: Ich möchte auch einen Hühnerstall voll Hennen!

So viele Dollies – die Vermehrung

Erinnert du dich noch an „Dolly“, das geklonte Schaf? Bei der Fetten Henne und der vegetativen Vermehrung (also das Vermehren über Pflanzenteile und nicht über Saatgut) mache ich eigentlich genau das: klonen.
Zunächst benötige ich die Mutterpflanze: Die habe ich entweder schon im Garten, ich kaufe eine oder frage einfach mal bei Nachbarn oder Freunden nach ob ich einen Trieb oder einzelne Pflanzenteile bekommen kann (z.B. wenn aus Versehen etwas abgebrochen ist). Die Fetthenne kann aus allen Pflanzenteilen neu austreiben bzw. Wurzeln bilden, dass macht die Sache um so einfacher.

Auf zwei Dinge sollte man allerdings achten: Am Anfang das Verhindern von Verdunstungsstress und später das Pinzieren. Beides noch nie gehört? Beides halb so wild: Kurz gesagt bedeutet es Käseglocke und Skalpell.

Eine ausgewachsene Fette Henne (Bild: J. Hagenberg)

Skalpell, Tupfer und Käseglocke

Nun geht sie also los, die wilde Klonerei. Zunächst lege ich mir alles zurecht:

– Eine Anzuchtschale o.ä. mit magerer Aussaaterde. Die Schale sollte so bemessen sein, dass sie entweder mit einer Haube abgedeckt, mit Klarsichtfolie überzogen werden kann oder z.B. unter eine alte Käseglocke oder Tortenhaube passt. Wichtig: Egal was du benutzt, es muss transparent sein, damit die Pflanzen Licht bekommen.
– etwas Wasser zum Angießen
– ein scharfes Messer, z.B. ein Skalpell, es geht natürlich auch ein scharfes Küchenmesser
– ein Pikierholz, z.B. ein kleiner Ast, oder der Stiel eines Löffels o.ä.

Die Fette Henne macht es uns beim Vermehren einfach: Die Blattpaare sitzen gegenständig, also „nebeneinander“ am Stiel. Man schneidet nun einfach mit dem Messer sauber zwischen zwei Blattpaaren den Trieb durch, so dass man immer Teile mit mindestens einem Blattpaar erhält. Man steckt nun den Stiel so weit in die Erde der Anzuchtschale, dass das erste (oder eben einzige) Blattpaar gerade so die Erde berührt. Dazu kann man den Pikierstab zu Hilfe nehmen. So verfahren wir, bis entweder die Anzuchtschale keinen Platz mehr aufweist, oder uns die Stecklinge ausgehen. Natürlich lassen wir zwischen den Pflanzen etwas Platz. Die Kleinen werden nun das erste Mal leicht angegossen.

Der erste Kniff:

Wichtig ist nun, dass man die Schale abdeckt, entweder mit einer Haube oder mit der oben erwähnten Folie, in die man dann noch Löcher piekst. Ich selbst benutze die grünen Minigewächshäuser (manchmal auch als Anzuchtgewächshäuser bezeichnet) mit einer transparenten Abdeckhaube. Diese sind zwar auch aus Kunststoff, halten aber jahrelang – wenn sie einem nicht, wir mir passiert, ungünstig herunterfallen. Ich ziehe sie der Folienvariante vor, denn die Folie muss danach entsorgt werden.

Aber was soll das denn überhaupt? Nun, durch das Teilen bringen wir die Pflanze in eine schwierige Situation: Sie hat zunächst keine Wurzeln mehr um Wasser und Nährstoffe aufzunehmen, benötigt aber ihre Blätter für Photosynthese, um Energie zu gewinnen um wiederum Wurzeln wachsen zu lassen. Doch dabei verbraucht sie Wasser, welches sie, wie gerade beschrieben noch nicht wieder aus der Erde aufnehmen kann. Sie lebt also gerade von dem was sie mitgebracht hat. Ein schmaler Grat, der „Verdunstungsstress“ genannt wird. Durch die Abdeckung und das Wasser erzeugen wir ein gespanntes Milieu mit hoher Luftfeuchtigkeit, dass durch Wind nicht zerstört werden kann und den Stress damit verringert. Ein- bis zweimal am Tag sollte man aber kurz und gut lüften, schon um Schimmelbildung zu vermeiden. Direkte Sonneneinstrahlung sollte auch gemieden werden.

Blatt in Sicht!

Irgendwann, nach ein paar Tagen oder wenigen Wochen, entdecken wir dann die ersten Blätter oder einen Trieb aus der Erde wachsen. Jetzt heißt es abwarten, gießen, beobachten, freuen. Die Pflänzchen werden größer und eventuell entdecken wir dann, dass nur ein Trieb nach oben wächst. Das würde bedeuten, dass die Pflanze später von unten nach oben spitz zuläuft, so wie es bei einem Weihnachtsbaum gewünscht ist (über den Sinn und Zweck von Weihnachtsbäumen möchte ich hier mal nicht eingehen).

Der zweite Kniff:

Damit die Pflanze stabiler und buschiger wächst, müssen wir sie nun pinzieren. Pinzieren bedeutet, dass wir die Triebspitze der Pflanze abschneiden, um das Wachstum an anderer Stelle anzuregen. Schneiden wir die Spitze über einem Blattpaar ab, so treibt die Pflanze an den jeweiligen Blattansätzen wieder aus, es wurde also ein Trieb entfernt und zwei neue sind gewachsen. Bei Bedarf kann man das natürlich wiederholen, man muss nur weiter beobachten wie die Pflanze sich entwickelt.

Da warte ich das ganze Jahr drauf: Die Fette Henne beginnt zu blühen. (Bild: J. Hagenberg)

Ab ins Beet!

Nun kann man die Abdeckung auch von dem Pflanzgefäß nehmen, die Pflanze hat Wurzeln gebildet und kann sich wieder gut versorgen. Allerdings sollte man dann schauen wo man die Kleinen hinstellt, zumindest haben bei mir die Amseln riesigen Spaß daran, die kleinen Pflanzen aus der Erde zu rupfen und um die Anzuchtschale zu verteilen. Das muß natürlich nicht überall so sein.

Ich selbst lasse die Jungpflanzen ca. acht Wochen anwachsen, danach sind sie bereit im Garten „ausgewildert“ zu werden. Manchmal dauert es auch etwas länger, man merkt schon wenn die Pflanzen vital und kräftig sind oder sie lieber noch ein bisschen behütet werden wollen.

Wenn du nun auch Fette Henne im Garten haben möchtest oder deine vermehren möchtest: Ich wünsche dir viel Erfolg und Spaß mit deinem eigenen Hühnerstall!

Fette Henne ist eine wichtige Bienenfutterpflanze wenn es im Garten auf den Herbst zugeht. (Bild: J. Hagenberg)

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