Zum Thema

Rewilding, Renature und Shifting Baselines sind Begriffe, die uns immer häufiger begegnen, dabei gibt es sie in anderer Form schon viel länger. Aber „Zurück zur Natur“ und „Früher war alles besser“ trifft es eben nicht mehr oder nicht mehr genau: Während sich große Teile der Menschheit immer weiter von der Natur entfernen, wollen andere sie retten und wiederherstellen. Aber anders als bei einem Betriebssystem haben wir kein geschnürtes Backup mit allen Inhalten. Wo also ist der richtige Wiederherstellungspunkt? Wir sollten eher nach vorne schauen. Doch wir sollten aus Erfahrungen lernen, positiv gestalten und auch mal machen lassen. Aber ist Rewilding dann der richtige Weg oder sollten wir uns auf das Wilding konzentrieren?

Zur Transparenz:
Das Buch wurde mir vom Ulmer-Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Verlag nimmt keinen Einfluss auf den Artikel und hat diesen auch nicht vorab gesehen.

Zum Buch

Auf 230 Seiten Hardcover nehmen uns Eva Stengel und Michael Altmoos mit und bringen uns ihr Herzensthema näher. Das Buch ist erfrischend klassisch in Bild und Text gehalten. Keine Tipps und Tricks-Kästchen, Info-Boxen oder Zitate-Schnipsel, die die Seiten unterbrechen. Stattdessen gibt es einen Ratgeberteil am Ende des Buches, der keine Fragen offen lässt. Gastbeiträge, z.B. von Peter Berthold, Sigrid Tinz oder Beatrice Häsler ergänzen mit eigenen Erfahrungen.

Ein umfangreiches Inhaltsverzeichnis lädt zum Stöbern ein, ein kurzes Stichwortverzeichnis bringt mich direkt zum Ziel. Außerdem gibt es zwei wertvolle Verzeichnisse für Quellen und weiterführende Literatur.

Das Cover des Buches zeigt natürlich den Titel, den Untertitel, Autor und Verlag. Außerdem ist eine Makroaufnahme einer Blüte der Jungfer im Grünen zu sehen
"Von Früchten und Früchtchen" zeigt eine Beispielseite mit Kürbissen und der Samenkapsel von einer Jungfer im Grünen

In zehn Kapiteln erfahren die Lesenden, was Miniwildnis ist, wo wir sie finden und wie wir sie schaffen. Doch all das wäre nicht nachhaltig, würde sich nicht in uns verankern, wenn wir – die Menschen – nicht lernen würden, uns wieder der Natur zu nähern. Denn derzeit passiert häufig das Gegenteil: Schottergärten, Einheitswohnsiedlung, und urbane Abschottung lassen die Natur außen vor und das ganz bewusst. Der Mensch entfernt sich von ihr.

Hier setzt das Buch an: wie finden wir den Weg zurück?  

© Altmoos aus „Miniwildnis für alle“, Verlag E. Ulmer.

Wildnis: Dunkelheit, Bedrohung und wilde Tiere! Oder?

In unserer Umgebung kommt echte Wildnis nur noch in homöopathischen Dosen vor, dafür ständig: Auf dem Land, in der Stadt, im Wald, im Garten, überall. Wir müssen sie nur sehen und eben zulassen. Wir müssen uns nur auf sie zubewegen, dann erkennen wir auch ihr Potenzial: Biodiversität und Klimaschutz. Aber sie kann eben auch Ort für den Menschen sein: Wir sind doch auch Teil des Ökosystems.

Das Beste: Miniwildnis ist für jeden machbar. Vom kleinen Blumentopf auf dem Balkon bis zum Wald gibt das Buch Praxistipps, von denen jeder von uns eine Miniwildnis schaffen kann, teils mit minimalen Mitteln.

eine weitere Beispielseite zeigt zum Beispiel eine Inllustration eines Regenwurms und Pilzfäden im Boden

Ökotonlandschaft (Obere Nahe bei Idar-Oberstein)
© Altmoos aus „Miniwildnis für alle“, Verlag E. Ulmer.


Ganz bewusst wechseln wir in kleiner und großer Wildnis von der Rolle des Gestalters zu der des Beobachtenden, Forschenden, Genießenden, Erholungssuchenden. Wildnis ist tief  in unserer Mensch-Natur-Beziehung verankert und Teil einer guten Kultur.

Eva Stengel und Michael Altmoos

Autoren

Würde ein jeder von uns eine solche Miniwildnis – egal wie groß – bei sich zulassen, dann wäre das schon ein großer Schritt: Es würden Trittsteinwildnisse entstehen, die ein Netzwerk bilden und damit Lebensraumwahl für Pflanzen, Tiere und Pilze.

Fazit

Ich habe hier ein Arbeitsbuch vor mir liegen. Aber keines, dass ich durcharbeiten muss. Keines, dass mich auffordert, etwas machen zu müssen. Aber mein Kopf arbeitet – weil er will. Das ist gut so und ist es nicht auch das, was wir uns von vielen Büchern wünschen? Das wir hinterher nicht nur schlauer sind, sondern dass es Veränderung bringt? „Miniwildnis für alle“ will reconnecten, will wiederverbinden. Miniwildnis kann entstehen, auch durch uns Menschen. Sie ist aber oft auch schon da, wir haben sie vielleicht nur nicht wahrgenommen. Aus „wie sieht´s hier denn aus“ wird „das ist ein wertvoller Ort“.

Für mich nicht nur ein lesenswertes, sondern auch ein wichtiges Buch!

Mit Klick auf das Icon links kommt ihr direkt zum Buch auf der Verlagsseite.

Titel: Miniwildnis für alle – Was Natur kann, wenn wir sie machen lassen
Autoren: Michael Altmoos, Eva Stengel
Seiten: 230 Hardcover
Erscheinungsdatum: 10. April 2026
Verlag: Eugen Ulmer
EAN/ISBN: 978-3-8186-2778-2 (Buch)
                     978-3-8186-2840-6 (PDF)
Preis: 40,00 €

Mit Autor Michael Altmoos habe ich auch bereits eine Folge meines Podcasts „Das Grüne muss nach oben“ aufgenommen. Denn er schreibt nicht nur Bücher sondern ist auch Gründer des Mitmach-Museums „Nahe der Natur“ mit ganz viel Wildnis.

Zur Folge: hier klicken

Autorin Eva Stengel beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit Naturschutz. Sie hat 2022 die Initiative „#miniwildnis“ gegründet und möchte damit die Wahrnehmung wilder Flächen verändern.

Zur Seite: www.miniwildnis.de